Abnehmspritze: Nebenwirkungen im Überblick
Die häufigsten Nebenwirkungen der Abnehmspritzen betreffen Magen und Darm: Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Verstopfung treten vor allem in den Wochen der Dosissteigerung auf und lassen meist nach. Seltener, aber ernst sind eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse und Gallensteine. Diese Seite fasst nach den aktuellen Produktinformationen der EMA zusammen, was bei Wegovy, Mounjaro und Saxenda wie häufig vorkommt, wie lange es dauert und wann ärztliche Hilfe nötig ist.
Um welche Präparate es geht
Als GLP-1-basierte Arzneimittel zur Gewichtsregulierung sind in Österreich drei Wirkstoffe zugelassen, alle rezeptpflichtig: Semaglutid als Wegovy, einmal wöchentlich gespritzt und inzwischen auch als Tablette zugelassen, Tirzepatid als Mounjaro, ebenfalls wöchentlich, und Liraglutid als Saxenda, täglich gespritzt; weitere Liraglutid-Präparate sind teils zur Gewichtsregulierung, teils nur für Typ-2-Diabetes zugelassen. Tirzepatid wirkt zusätzlich zum GLP-1-Rezeptor am GIP-Rezeptor.
Ozempic enthält denselben Wirkstoff wie Wegovy, ist laut Produktinformation aber ausschließlich zur Behandlung des Typ-2-Diabetes zugelassen. In seiner Produktinformation sind Übelkeit und Durchfall ebenfalls sehr häufig, Erbrechen, Bauchschmerzen und Verstopfung häufig.
Häufige Nebenwirkungen im Vergleich
Die Tabelle gibt die offiziellen Häufigkeitskategorien aus Abschnitt 4.8 der Produktinformationen wieder: sehr häufig heißt mehr als 1 von 10 Behandelten, häufig bis zu 1 von 10, gelegentlich bis zu 1 von 100. Bei Mounjaro hängen einige Angaben von der Studienpopulation ab; angegeben ist dann der Wert aus den Studien zum Gewichtsmanagement.
In den Zulassungsstudien von Wegovy über 68 Wochen hatten 43,9 % der Behandelten Übelkeit (Placebo 16,1 %), 29,7 % Durchfall (15,9 %), 24,5 % Erbrechen (6,3 %), 24,2 % Verstopfung (11,1 %) und 19,7 % Bauchschmerzen (10 %). In der Mounjaro-Studie zum Gewichtsmanagement bei Menschen ohne Diabetes traten je nach Dosis bei 24,6 bis 33,3 % Übelkeit auf (Placebo 9,5 %) und bei 18,7 bis 23,0 % Durchfall (7,3 %).
Missempfindungen der Haut wie Kribbeln, Brennen oder eine empfindliche Haut (Dysästhesie) betrafen unter Wegovy 2,4 mg 2,1 % der Behandelten (Placebo 1,2 %), in der Studie STEP UP mit 7,2 mg 21,6 % (Placebo 0,3 %). Sie waren meist leicht bis mittelschwer und klangen überwiegend unter fortgesetzter Behandlung ab.
| Nebenwirkung | Wegovy (Semaglutid) | Mounjaro (Tirzepatid) | Saxenda (Liraglutid) |
|---|---|---|---|
| Übelkeit | sehr häufig | sehr häufig | sehr häufig |
| Durchfall | sehr häufig | sehr häufig | sehr häufig |
| Erbrechen | sehr häufig | sehr häufig | sehr häufig |
| Verstopfung | sehr häufig | sehr häufig | sehr häufig |
| Bauchschmerzen | sehr häufig | sehr häufig | häufig (Oberbauch) |
| Kopfschmerzen | sehr häufig | nicht aufgeführt | sehr häufig |
| Missempfindungen der Haut (Dysästhesie) | häufig | gelegentlich | nicht aufgeführt |
| Müdigkeit, Erschöpfung | sehr häufig | häufig | häufig |
| Schwindel | häufig | häufig | häufig |
| Haarausfall | häufig | häufig | nicht aufgeführt |
| Gallensteine | häufig | gelegentlich | häufig |
| Reaktionen an der Einstichstelle | häufig | häufig | häufig |
| Akute Pankreatitis | gelegentlich | gelegentlich | gelegentlich |
Wie lange die Beschwerden dauern
Bei Wegovy traten die Magen-Darm-Beschwerden vor allem in der Phase der Dosissteigerung auf, meist leicht bis mittelschwer. Im Mittel dauerte die Übelkeit 8 Tage, das Erbrechen 2 und der Durchfall 3 Tage; die Verstopfung hielt mit 47 Tagen deutlich länger an. Dauerhaft beendet haben die Behandlung wegen solcher Beschwerden 4,3 % der Teilnehmenden.
Bei Mounjaro waren Übelkeit, Durchfall und Erbrechen in der Steigerungsphase ebenfalls häufiger und nahmen im Verlauf ab; in der Studie zum Gewichtsmanagement bei Menschen ohne Diabetes waren die Magen-Darm-Beschwerden überwiegend leicht (60,8 %) oder mäßig (34,6 %). Wegen dieser Beschwerden abgebrochen haben je nach Dosis 1,9 bis 4,4 % der Behandelten, unter Placebo 0,5 %. Bei Saxenda traten die Beschwerden in der Regel in den ersten Behandlungswochen auf und klangen innerhalb weniger Tage oder Wochen ab.
Was laut Fachinformation bei Übelkeit und Durchfall hilft
Die Dosis wird bei allen drei Präparaten schrittweise gesteigert, um die Verträglichkeit zu verbessern: Wegovy über 16 Wochen von 0,25 auf 2,4 mg, Mounjaro in Schritten von 2,5 mg im Abstand von mindestens vier Wochen, Saxenda wöchentlich um 0,6 mg bis 3,0 mg. Bei erheblichen Magen-Darm-Beschwerden sieht die Fachinformation von Wegovy vor, die Steigerung zu verzögern oder zur vorherigen Dosis zurückzukehren, bis es besser geht. Wird bei Saxenda die nächste Stufe zwei Wochen hintereinander nicht vertragen, ist ein Abbruch zu erwägen. Über solche Anpassungen entscheidet der Arzt; steigern Sie die Dosis nicht schneller als vorgesehen.
Wichtig ist ausreichendes Trinken: Erbrechen und Durchfall können zu Flüssigkeitsverlust führen und in seltenen Fällen die Nierenfunktion verschlechtern, bei Mounjaro bis zu einem akuten Nierenversagen. Das gilt besonders für Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion und für Ältere. Wurden mehrere Dosen ausgelassen, sieht die Fachinformation von Wegovy vor, einen Neubeginn mit niedrigerer Dosis zu erwägen; besprechen Sie das vor der nächsten Injektion.
Seltene, aber ernste Nebenwirkungen
Diese Beschwerden sind selten, verlangen aber eine rasche Abklärung. Bei starken Schmerzen, Atemnot oder einer Schwellung im Gesicht oder Hals rufen Sie die Rettung unter 144.
- Bauchspeicheldrüsenentzündung: Anzeichen sind starke, anhaltende Bauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen können. Bei Verdacht wird die Behandlung abgesetzt und nach bestätigter Pankreatitis nicht wieder aufgenommen. Unter Wegovy lag die Häufigkeit bestätigter Fälle bei 0,2 % (Placebo unter 0,1 %).
- Gallensteine und Gallenblasenentzündung: Unter Wegovy wurden Gallensteine bei 1,6 % gemeldet (Placebo 1,1 %), eine Gallenblasenentzündung bei 0,6 % (0,3 %); bei Mounjaro waren solche Ereignisse mit dem Gewichtsverlust verknüpft. Die Packungsbeilage von Saxenda beschreibt starke Oberbauchschmerzen, meist rechts unter den Rippen, die bis in Rücken oder rechte Schulter ziehen können, und rät dann, die Anwendung zu unterbrechen und umgehend den Arzt zu kontaktieren.
- Schwere allergische Reaktionen wie Anaphylaxie oder Angioödem sind selten und ein Notfall.
- Darmverschluss ist bei Wegovy und Saxenda aus Meldungen nach der Markteinführung bekannt; die Häufigkeit ist nicht bekannt. Die Packungsbeilagen beschreiben ihn als schwere Form der Verstopfung mit Bauchschmerzen, Blähungen oder Erbrechen.
- Plötzliche Sehverschlechterung: Unter Semaglutid wurde eine nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION) sehr selten beobachtet, bei Typ-2-Diabetes etwa ein zusätzlicher Fall pro 10.000 Behandlungsjahre. Eine plötzliche Sehverschlechterung gehört umgehend augenärztlich abgeklärt.
- Herzklopfen in Ruhe: Unter Saxenda sollen Sie sich bei starkem Herzklopfen oder Herzrasen im Ruhezustand an den Arzt wenden.
- Vor einer Narkose oder tiefen Sedierung informieren Sie das Behandlungsteam über die Spritze, weil sich der Magen langsamer entleert und Mageninhalt eingeatmet werden kann.
- Unterzuckerung: Wer wegen eines Diabetes zusätzlich Insulin oder Sulfonylharnstoffe nimmt, hat laut Produktinformation ein höheres Risiko für Unterzuckerungen; die Dosis dieser Mittel kann angepasst werden müssen.
Haarausfall und eingefallenes Gesicht
Haarausfall ist bei Wegovy und Mounjaro als häufige Nebenwirkung aufgeführt. In den Wegovy-Studien betraf er 2,5 % der Behandelten gegenüber 1,0 % unter Placebo, mit der Dosis 7,2 mg 5,3 %. Er war überwiegend gering ausgeprägt, bildete sich bei den meisten unter fortgesetzter Behandlung zurück und trat häufiger bei einer Gewichtsabnahme von mindestens 20 % auf.
Das sogenannte Ozempic Face, also ein eingefallen wirkendes Gesicht, steht in keiner der Produktinformationen als Nebenwirkung. Gemeint ist die sichtbare Folge des Gewichtsverlusts: In Messungen ging der größte Teil der Abnahme auf Fettgewebe zurück, ein kleinerer auf die fettfreie Masse. Mehr dazu im Beitrag Ozempic Face.
Wann die Behandlung beendet oder überprüft wird
Die Produktinformationen nennen klare Situationen, in denen abgesetzt oder neu bewertet wird. Setzen Sie die Behandlung bei leichten Beschwerden nicht eigenmächtig ab, sondern besprechen Sie das weitere Vorgehen.
- bei Verdacht auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung; nach bestätigter Diagnose keine Wiederaufnahme
- bei Semaglutid, wenn sich eine NAION bestätigt
- bei einer schweren allergischen Reaktion
- bei Saxenda, wenn nach 12 Wochen mit 3,0 mg täglich nicht mindestens 5 % des Ausgangsgewichts verloren wurden, sowie bei einer anhaltend erhöhten Ruheherzfrequenz
- bei Kinderwunsch: Wegovy mindestens 2 Monate und Mounjaro mindestens 1 Monat vor einer geplanten Schwangerschaft absetzen, Saxenda, sobald eine Schwangerschaft geplant ist; in der Schwangerschaft soll keines der Präparate angewendet werden
Fälschungen sind ein eigenes Risiko
Das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) und die EMA warnen vor illegal angebotenen Abnehmspritzen aus dem Internet und aus sozialen Medien. Solche Produkte enthalten laut der Warnung möglicherweise nicht den angegebenen Wirkstoff, können andere Substanzen in schädlichen Mengen enthalten und stellen ein ernstes Gesundheitsrisiko dar. Der Online-Verkauf verschreibungspflichtiger Arzneimittel ist in Österreich verboten. Ein zugelassenes Präparat erhalten Sie mit Rezept in der Apotheke.
Nebenwirkungen melden und ärztliche Beurteilung
Vermutete Nebenwirkungen können Patientinnen und Patienten auch selbst an das BASG melden, online oder per E-Mail an [email protected]. Die Meldungen werden vertraulich behandelt und helfen, die Sicherheit der Präparate zu überwachen.
Bei der ärztlichen Beurteilung für den Beginn oder die Fortführung einer Behandlung fragt der Arzt nach bisherigen Nebenwirkungen, Vorerkrankungen und weiteren Medikamenten und kann Befunde nachfordern; ein Anspruch auf ein Rezept besteht nicht. Bezahlt wird die ärztliche Beurteilung, nicht ein bestimmtes Dokument. Bei einer Ablehnung aus medizinischen oder rechtlichen Gründen bekommen Sie das Honorar zurück. Fordert der Arzt Unterlagen an, bleiben Ihnen dafür mindestens 7 Tage; wir erinnern Sie daran und verlängern die Frist, wenn Sie das möchten. Kommt die Prüfung trotzdem nicht zum Abschluss, beenden wir die Anfrage und zahlen das Honorar in voller Höhe zurück. Wie die Anfrage abläuft, steht auf der Seite Abnehmspritze.
Medizinische Prüfung: lek. Damian Wojno, Approbation Nr. 3211301, für MEDINOW Sp. z o.o. Eine ärztliche Beurteilung Ihres Falls kann dieser Text nicht ersetzen.
Wie lange dauert die Übelkeit bei der Abnehmspritze?
In den Wegovy-Studien dauerte die Übelkeit im Mittel 8 Tage und trat vor allem während der Dosissteigerung auf. Auch bei Mounjaro und Saxenda nehmen die Magen-Darm-Beschwerden im Verlauf meist ab. Halten sie an oder sind sie stark, kann der Arzt die Steigerung verzögern oder zur vorherigen Dosis zurückgehen.
Welche Nebenwirkungen hat Mounjaro?
In den Studien zum Gewichtsmanagement waren laut Produktinformation Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen und Verstopfung sehr häufig, häufig unter anderem Schwindel, niedriger Blutdruck, Verdauungsbeschwerden, Haarausfall, Müdigkeit und Reaktionen an der Einstichstelle. Gelegentlich treten Gallensteine, eine Gallenblasenentzündung oder eine Bauchspeicheldrüsenentzündung auf.
Hat Ozempic andere Nebenwirkungen als Wegovy?
Beide enthalten Semaglutid, Ozempic ist aber nur für Typ-2-Diabetes zugelassen und wird bis 2 mg dosiert. In seiner Produktinformation stehen dieselben Beschwerden im Vordergrund: Übelkeit und Durchfall sind sehr häufig, Erbrechen, Bauchschmerzen und Verstopfung häufig. Zur Gewichtsabnahme ist Ozempic nicht zugelassen.
Kann man von der Abnehmspritze Haarausfall bekommen?
Ja, bei Wegovy und Mounjaro ist Haarausfall als häufige Nebenwirkung aufgeführt. Unter Wegovy war er meist gering ausgeprägt, bildete sich bei den meisten unter fortgesetzter Behandlung zurück und kam bei größerer Gewichtsabnahme häufiger vor.
Wirkt die Pille trotz Abnehmspritze?
Laut Produktinformation wird bei Wegovy und Saxenda keine verminderte Wirkung oraler Verhütungsmittel erwartet. Bei Mounjaro sank in einer Studie nach einer Einzeldosis Tirzepatid der Höchstspiegel einer kombinierten Pille deutlich, für Ethinylestradiol um 59 %, die Gesamtaufnahme um etwa 20 %; die Produktinformation stuft das als klinisch nicht relevant ein, eine Dosisanpassung der Pille ist nicht erforderlich. Starker Durchfall kann laut Produktinformation von Saxenda die Aufnahme gleichzeitig eingenommener Tabletten beeinträchtigen; was dann für Ihre Pille gilt, steht in deren Packungsbeilage. Für Wegovy und Mounjaro wird während der Behandlung eine Verhütung empfohlen; in der Schwangerschaft soll keines der Präparate angewendet werden.
Wann muss ich mit Nebenwirkungen zum Arzt?
Umgehend bei starken, anhaltenden Bauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen, bei starken Schmerzen im rechten Oberbauch, bei einer plötzlichen Sehverschlechterung, bei Zeichen einer schweren allergischen Reaktion und bei anhaltendem Erbrechen oder Durchfall mit Flüssigkeitsverlust. Im Notfall rufen Sie die Rettung unter 144.
- EMA: Produktinformation Wegovy (Semaglutid), Abschnitte 4.2, 4.4, 4.5, 4.6, 4.8 und 5.1 sowie Packungsbeilage Abschnitt 4
- EMA: Produktinformation Mounjaro (Tirzepatid), Abschnitte 4.2, 4.4, 4.5, 4.6 und 4.8
- EMA: Produktinformation Saxenda (Liraglutid), Abschnitte 4.1, 4.2, 4.4, 4.5, 4.6, 4.8 sowie Packungsbeilage Abschnitte 2 und 4
- EMA: Produktinformation Ozempic (Semaglutid), Abschnitte 4.1 und 4.8
- BASG: Starker Anstieg illegaler Arzneimittel in der EU, Warnung vor gefälschten GLP-1-Rezeptoragonisten
- BASG: Nebenwirkungsmeldung human, Meldemöglichkeiten für Patientinnen und Patienten